Peter Sersch
Veröffentlicht am: 18.03.2026
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Webdesigner Sonstiges
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Für was brauche ich eigentlich noch einen Programmierer? Das macht doch alles die KI

„Das Geld für einen Entwickler spare ich mir und mach das mal eben schnell mit Hilfe der KI.“

 

Auf diesen Gedanken kann man schnell kommen, wenn man sieht, für was KI mittlerweile benutzt wird. So ein KI2paar Prompts eingeben, ein bisschen klicken und schon hat man eine Software. Das kann doch jeder.

Und hier beginnt die Illusion.

Im Grunde ist es wie beim Auto. Ein bisschen schrauben kann heute fast jeder. Öl wechseln, Bremsen tauschen, kleinere Reparaturen – mit einer der vielen Anleitungen, die man online findet, funktioniert das oft erstaunlich gut.

Doch sobald Motor, Elektronik und Steuerung zusammenspielen müssen, reicht das nicht mehr. Dann geht es nicht um einzelne Teile, sondern um das Zusammenspiel.

Und genau da braucht es Erfahrung und eine fundierte Ausbildung.

Genauso ist es in der IT.

KI hilft hervorragend bei einzelnen Aufgaben. Kleine Funktionen, Codebausteine, einfache Anwendungen – das funktioniert schnell und zuverlässig.

Aber sobald mehrere Technologien zusammenkommen – Backend, Datenbank, Frontend, Schnittstellen – entsteht ein System. Und dieses System muss nicht nur funktionieren, sondern auch stabil, sicher und erweiterbar sein.

Die KI liefert nur Bausteine, sie denkt nicht in Systemen. Und sie denkt auch nicht über den Tellerrand hinaus.

Was will ich damit sagen. Stellen wir uns vor, ich entwickle ein Buchungssystem für ein kleines Ferienhaus.
Auf den ersten Blick wirkt das einfach:

Ein Kalender, ein Formular, eine Bestätigung per E-Mail.

Mit der KI bekomme ich dafür schnell einen funktionierenden Code.

Aber dann beginnt die Realität.

Zwei Personen buchen fast gleichzeitig denselben Zeitraum. Die Datenbank muss entscheiden, wer zuerst war – und das zuverlässig, auch bei Verzögerungen im System.

Der Gast bricht die Zahlung ab, kommt aber später zurück. Soll die Buchung reserviert bleiben? Wenn ja, wie lange?

Ein anderer Nutzer greift aus den USA zu, während mein Server in Europa steht. Zeitverschiebung, Währungen, unterschiedliche Formate – alles spielt plötzlich eine Rolle.

Dann kommen rechtliche Anforderungen dazu: Datenschutz, Speicherung persönlicher Daten, E-Mail Bestätigungen.

Und parallel dazu muss die Website weiterhin schnell laden, auch wenn mehrere Nutzer gleichzeitig aktiv sind.

Jetzt aber passiert etwas Entscheidendes:
Keines dieser Probleme ist für sich genommen besonders kompliziert. Aber in Kombination entsteht ein System, das durchdacht sein muss.

Hier reicht es nicht mehr, nur „Code zu schreiben“.

Hier muss man

  • Abläufe verstehen
  • Risiken erkennen
  • Entscheidungen treffen, die über den Code hinausgehen.

Genau das ist „über den Tellerrand denken“ und noch viel mehr in großen Projekten.

Die KI kann mir einzelne Teile liefern: den Kalender, das Formular, die Datenbankabfrage.

Aber sie entscheidet nicht für mich

  • Wie Buchungen priorisiert werden
  • Wie Konflikte gelöst werden
  • Wie sicher und fair das System funktioniert

Und genau dort beginnt echte Entwicklung.

Irgendwann kommt der Punkt, den viele komplett unterschätzen. Die Regeln ändern sich ständig.

Browser führen neue Sicherheitsrichtlinien ein. Serverumgebungen werden aktualisiert. Frameworks entwickeln sich weiter. Datenschutzanforderungen werden strenger.

Plötzlich funktioniert etwas nicht mehr, das gestern noch problemlos lief.

  • Ein Cookie wird blockiert
  • Eine API-Anfrage scheitert.
  • Ein Login-Prozess bricht ab.

Und genau hier zeigt sich der Unterschied:

Die KI hat dir den Code geliefert, aber sie überwacht nicht dein System. Sie passt es nicht automatisch an neue Anforderungen an. Und sie versteht nicht den Kontext deines gesamten Projekts.

Ein Entwickler dagegen erkennt solche Veränderungen, versteht die Ursache und kann gezielt reagieren.

Wie bei einem Auto, bei dem sich die technischen Vorschriften ändern:
Es reicht nicht, dass es einmal funktioniert hat. Es muss dauerhaft angepasst und gewartet werden.

KI ist ein starkes Werkzeug. Sie beschleunigt vieles und nimmt Arbeit ab.

Aber sie ersetzt nicht das, was langfristig entscheidend ist. Verständnis, Verantwortung und die Fähigkeit, Systeme weiterzuentwickeln.

Die eigentliche Frage ist also nicht: Kann KI das einmal bauen?

Sondern: Kann KI es dauerhaft betreiben, verstehen und Anpassen?

Denn genau darin liegt der Unterschied zwischen einem funktionierenden Code – und einem funktionierendem System.

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