
Wieder ein Beispiel aus meinem Berufsleben, dieses Mal geht es um die Echtzeitüberweisung:
Ich erzähle solche Fälle immer ohne Namen und so, dass keine Rückschlüsse auf die Beteiligten möglich sind.
Beim Immobilienkauf in Italien muss der Kaufpreis beim Notartermin bereits vorliegen. Entweder liegt er beim Notar auf dem Treuhandkonto (conto dedicato / deposito prezzo) oder er ist schon auf dem Konto des Verkäufers.
Italiener arbeiten in solchen Fällen oft mit Bankschecks: Der Scheck geht beim Notar über den Tisch und im Gegenzug gibt es die Schlüssel. Für deutschsprachige Käufer ist das meist keine Option, weil sie in der Regel kein italienisches Konto haben und ausländische Schecks nicht akzeptiert werden.
Die Überweisung direkt auf das Konto des Verkäufers im Vorfeld halte ich für keine gute Lösung, weil sie ein paar Tage dauert. In dieser Zeit hat der Käufer weder Zugriff auf sein Geld noch irgendeine Sicherheit in Bezug auf die Immobilie.
Ich empfehle daher in den meisten Fällen das Treuhandkonto beim Notar. Das kostet zwar etwas, ist aber sauber und sicher.
Immer wieder kommt dann die Idee mit der Echtzeitüberweisung. Theoretisch funktioniert das, praktisch ist es ein Risiko. Wenn am Tag des Notartermins etwas nicht klappt – technische Probleme, Limits, Änderungen bei der Bank – sitzt man dort und wartet, während der Verkäufer die Bestätigung über den Geldeingang sehen will.
Ein aktueller Fall aus meiner Praxis: Meine Kunden wollten sich die Kosten für das Treuhandkonto sparen und hatten sich vorab informiert. Laut ihrer Recherche sollte eine Echtzeitüberweisung auch bei höheren Beträgen problemlos möglich sein. Sicherheitshalber haben sie es einen Tag vor dem Termin getestet – und genau da kam die Überraschung. Die Bank hatte ihre Bedingungen geändert und führte Echtzeitüberweisungen in dieser Höhe ins Ausland nicht mehr aus. Die Information aus dem Internet war schlicht nicht mehr aktuell.
Am Ende hat der Verkäufer beim Vorvertrag trotzdem unterschrieben und bestätigt, dass er das Geld erhalten hat – obwohl er nur den Zahlungsbeleg gesehen hatte.
Das hat in diesem Fall funktioniert. Verlassen sollte man sich darauf nicht.
Beim Immobilienkauf reicht es nicht, dass etwas theoretisch funktionieren könnte. Es muss in genau diesem Moment zuverlässig funktionieren.