
Ein Einblick aus meiner Arbeit als Dolmetscherin – anonymisiert und ohne Rückschlüsse auf einzelne Personen, aber mit einem Thema, das in der Praxis öfter vorkommt, als man denkt.
Ich begleite regelmäßig Notartermine in verschiedenen Regionen Italiens, und einer davon ist aus einem scheinbar banalen Grund fast geplatzt: einer fehlenden Steuernummer. In diesem Fall war der Termin seit Monaten geplant, der Vorvertrag unterschrieben, die Anzahlung geleistet, das Haus fertiggestellt – alles bereit für den finalen Kauf. Wenige Tage vorher wollte der Käufer noch eine Änderung: Seine Schwester sollte ebenfalls als Käuferin mit in den Vertrag aufgenommen werden. Grundsätzlich kein Problem – mit einer Voraussetzung: Sie braucht einen Codice Fiscale. Die Antwort war: „Nein, haben wir noch nicht, aber wir besorgen den.“
Am Tag vor dem Termin dann die Nachricht vom Kunden: Die Steuernummer fehlt, der Termin wackelt. Der Versuch über das italienische Konsulat in Deutschland – früher oft möglich – hat nicht funktioniert. Machen sie nicht mehr. Also kurzfristig Plan B: Termin beim Finanzamt in Italien. Wer das kennt, weiß, dass das eigentlich kaum von heute auf morgen machbar ist. Nach einigen Telefonaten und Mails blieb nur eine Option: „Salta la coda“, also ein Termin am selben Tag, früh morgens angefragt. Die Antwort kam schnell: Termin um 9:30 – Problem nur, dass die Landung des Fluges für 9:45 geplant war.
Mit etwas Nachdruck und mehreren Anläufen konnte ich erreichen, dass im Finanzamt gewartet wurde. Und dann kam noch der Zufall dazu: Das Flugzeug landete früher als geplant. Die Käufer sind direkt ins Taxi gestiegen, zum Amt gefahren, wurden noch drangenommen – und hatten kurze Zeit später den Codice Fiscale in der Hand. Der Notartermin konnte stattfinden.
Was man daraus mitnehmen sollte: Der Codice Fiscale ist keine Formalität, sondern Voraussetzung. Ohne ihn geht nichts. Und Änderungen kurz vor dem Notartermin sind immer riskant. Was auf den ersten Blick „schnell zu organisieren“ wirkt, kann den gesamten Ablauf gefährden. Am Ende ging alles gut – aber es war unnötig knapp. Solche Situationen lassen sich fast immer vermeiden, wenn die Grundlagen frühzeitig geklärt werden.